Fast ein Drittel der Erwerbstätigen in der Schweiz hat schon einmal Mobbing am Arbeitsplatz erlebt. Eine Zahl, die aufrütteln sollte. Und trotzdem wird das Thema in vielen Unternehmen noch immer totgeschwiegen, weil es unbequem ist, weil die Grenze zwischen Konflikt und Mobbing verschwimmt und weil Täter selten offen agieren.
Mobbing ist kein einmaliger Ausrutscher. Von Mobbing spricht man, wenn wiederholt, etwa einmal pro Woche, und über mehr als sechs Monate die Würde eines Menschen verletzt wird. Es geschieht selten laut, es geschieht in Graubereichen: Beim Kaffee, in Gruppenchats, in Meetings, in denen jemand systematisch übergangen wird. Wer einmal genau hinschaut, erkennt es schnell, aber viele schauen lieber weg. Das Mobbing existiert hat auch mit wachsendem Stress am Arbeitsplatz zu tun: Arbeitsanforderungen, Zeitdruck und die Angst um den Arbetisplatz nehmen zu. Druck erzeugt Reibung und Reibung sucht ein Ventil. Und in toxischen Kulturen wird dieses Ventil zu oft an einzelnen Menschen geöffnet.
Wo entsteht Mobbing
Mobbing gedeiht dort, wo Führung fehlt oder wegschaut und wo Leistungsdruck dazu verleitet die eigene Integrität aufzugeben. Wo niemand klar sagt, was akzeptabel ist und was nicht. Mobbing ist häufig ein Gruppenphänomen und wird immer versteckt praktiziert, nicht nur eine Person ist verantwortlich, sondern ein Umfeld, das von Mobbinghandlungen direkt oder indirekt profitiert. Das macht es so schwer zu greifen und so schwer zu stoppen.
Was Unternehmen tun müssen
Prävention beginnt nich tim HR-Handbuch, sie beginnt mit der Frage: Wie gehen wir hier miteinander wirklich um?
Klare Kommunikation, eine Kultur der Nulltoleranz und Führungspersonen die vorleben was sie erwarten, das sind keine weichen Faktoren. Betroffene müssen wissen, sie können darüber sprechen ohne Angst vor Konsequenzen. Es entspricht der Fürsorgepflicht der Arbeitgeber, alle geeigneten und zumutbaren Massnahmen gegen Mobbing zu unternehmen.
Mobbing ist kein Befindlichkeitsproblem. Es ist ein Führungsproblem und lässt sich lösen, wenn man bereit ist, hinzuschauen.

